Ein Mix aus 60% Körperverknotungen und je 20% Atemübungen und Meditation, gewürzt mit einer Prise Esoterik und einem kräftigen OOOOHM? Ganz so war das ursprünglich nicht gedacht…

„yoga chitta vritti nirodha“
„Yoga ist das zur Ruhe Bringen der Gedanken im Geist“
(Patanjali, Yogasutra, ca. 200 v Chr)

Yoga ist eine der klassischen Schulen der indischen Philosophie. Das Sanskrit Wort Yoga bedeutet anjochen, zusammenfügen. Körper, Seele und Geist sollen vereint, Erleuchtung dadurch erlangt werden werden.

Über viele Jahrhunderte entstanden in Indien unterschiedliche Yogawege. Sie alle haben das gemeinsame Ziel, den Zustand der Erleuchtung zu erreichen.

In ihrem Weg dorthin bzw ihrer Schwerpunktsetzung unterscheiden sie sich aber recht deutlich. Jnana Yoga etwa setzt vorrangig auf das Streben nach Erkenntnis, Bhakti Yoga auf göttliche Verehrung und Hingabe, Karma Yoga auf altruistisches Handeln ohne Selbstanhaftung, Raja Yoga auf die Kontrolle des Geistes.

Im Raja Yoga geht man davon aus, dass ein 8-gliedriger Pfad zu beschreiten ist, um zur Erleuchtung zu gelangen. Dabei geht es um:

  • Yamas – den Umgang mit der Umwelt
  • Niyamas – den Umgang mit sich selbst
  • Ãsanas – den Umgang mit dem Körper
  • Prãnãyãma – den Umgang mit dem Atem
  • Pratayãhãra – den Umgang mit den Sinnen
  • Dhãranã – Konzentration
  • Dhyãna – Meditation
  • Samãdhi – das Höchste: die innere Freiheit und Erleuchtung

Die Asanas (Körperpositionen), mit denen wir Yoga heute vorrangig assoziieren, standen also auf einer eher niederen Stufe des  Yogawegs und waren ursprünglich ein reines Mittel zum Zweck. Sie sollten den Körper ausreichend fit machen, sodass er während der Meditation lange Zeit in unbewegter Haltung verharren konnte. Das im 10. Jh verfasste Gorakshashataka, die älteste Hathayogaschrift, nennt gerade mal zwei Asanas, die im 14. Jh verfasste Hathayogapradipika kommt auf 16.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren einige Hundert Asanas bekannt. Erst mit dem beginnenden Interesse der westlichen Welt an Yoga verlagerte sich der Fokus auf die Körperübungen und das Repertoire wuchs sprunghaft an. Heute gibt es mehrere Tausend dokumentiere Yoga-Positionen in unzähligen Yogastilen.

Wichtig ist, Eines zu verstehen: So sehr der Fokus auf der Asana-Praxis liegen mag, Yoga ist kein Sport. Leistungsdenken und Konkurrenzverhalten sind hier fehl am Platz. Es geht vielmehr um achtsamen und liebevollen Umgang mit dir selbst, um Akzeptanz deiner physischen und psychischen Grenzen, um Konzentration und Fokussierung auf das Hier und Jetzt und um die Bereitschaft zur ständigen Weiterentwicklung.

Yoga ist Zeit für dich, mit dir.

Dabei helfen dir bewusste Atmung, Konzentration und Fokussierung und auf dich und deine Praxis.

Körper- und Atemübungen sind fixe Bestandteile jedes Yogastils und jeder Yogaeinheit.

Meditation hingegen kommt in unterschiedlicher Häufigkeit, Art und Intensität zum Einsatz. Ich integriere nur selten mehr als 2-3minütige Sitzmeditation in meinen Unterricht. Vielleicht ändert sich das einmal, aber derzeit empfinde ich es so als authentisch. Ich sitze erstens selbst ungern lange still, und zweitens ist in meinen Augen alles, was du mit Aufmerksamkeit und Verbundenheit mit dir selbst und dem Augenblick tust, Meditation.

In diesem Sinn: have fun & Namaste